Schiri-debakel bei der wm: warum deutschland fehlt!
Die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika hat nicht nur sportliche Überraschungen beschert, sondern auch ein tiefgreifendes Problem im Schiedsrichterwesen offengelegt: deutschland, einst Garant für Top-Schiedsrichterleistungen, blieb mit nur einem Nominierten und zahlreichen fragwürdigen Entscheidungen weit hinter den Erwartungen zurück.
Die demission zwayers und das versäumnis der uefa
Lutz Wagner, unser ausgewiesener Schiri-Experte, analysiert im rbb-Interview die Gründe für dieses Missverhältnis. Felix Zwayer, als einziger deutscher Schiedsrichter nominiert, durfte lediglich zwei Gruppenspiele leiten – ein offensichtliches Untermaß, so Wagner. Dabei hatte der Berliner durchaus Potenzial bewiesen. Die Gründe für seine Demission und die Nicht-Nominierung von Daniel Siebert, der erst kürzlich das Champions-League-Finale souverän leitete, bleiben im Dunkeln. „Die FIFA hat eben ihre eigenen Vorstellungen“, so Wagner, und deutet damit auf mögliche politische Einflussfaktoren hin.

Qualität vor kontingent: das gebot der stunde
Die Diskussion dreht sich um die Frage, ob die Ansetzungen von Schiedsrichtern rein leistungsorientiert erfolgen sollten oder ob auch Kontingent-Aspekte eine Rolle spielen. Wagner ist sich einig: „In den entscheidenden Spielen sollten die besten Schiedsrichter mit der höchsten Qualität pfeifen – diejenigen, die auch im Liga-Alltag auf dem höchsten Niveau bestehen.“ Das bedeutet, dass Schiedsrichter aus den europäischen Top-Ligen, die regelmäßig Champions-League-Spiele leiten, bevorzugt werden sollten, unabhängig von ihrer Nationalität.

Das dilemma der deutschen schiedsrichter
Trotz des Vorhandenseins vieler hochqualifizierter Schiedsrichter in deutschland, hat das Land seit 2010 kein KO-Spiel bei einer Weltmeisterschaft mehr gestellt. Ein Umstand, der Wagner Kopfzerbrechen bereitet. Er weist darauf hin, dass die erfolgreiche WM-Teilnahme der deutschen Nationalmannschaft 2014 die Einsatzmöglichkeiten der deutschen Schiedsrichter einschränkte. Doch das erklärt nicht alles. Der Mangel an internationaler Anerkennung und die fehlende Druckresistenz scheinen eine größere Rolle zu spielen.

Ein lichtblick: bastian dankert als var
Ein kleiner Lichtblick gab es dennoch: Bastian Dankert, der als Video Assistant Referee (VAR) im WM-Finale zum Einsatz kam. Wagner lobt ihn als „den vielleicht besten und erfolgreichsten VAR der Welt“ und betont seine Fähigkeit, sich optimal auf den Hauptschiedsrichter einzustellen. Dankert ist ein Paradebeispiel dafür, wie deutschland auch im VAR-Bereich eine Vorreiterrolle einnehmen kann.
Die Analyse von Lutz Wagner zeigt deutlich: deutschland muss dringend an der internationalen Reputation seiner Schiedsrichter arbeiten. Nur so kann das Land wieder zu den Top-Adressen im Schiedsrichterwesen avancieren und sicherstellen, dass deutsche Unparteiische in Zukunft auch bei den wichtigsten Spielen der Welt im Einsatz sind.